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Der dritte Pädagoge heißt Raum

Warum sind viele Schulen so lieblos gestaltet, ja geradezu verwahrlost? In seelenloser Umgebung kann weder Lernen noch die gewünschte Zusammenarbeit gelingen. Deswegen müssen Bildungsräume transformiert und zu „Gewächshäusern der Kreativität“ gemacht werden.

Was wünschen sich junge Menschen? Geborgenheit und Berücksichtigung individueller Wünsche und Bedürfnisse. Wonach sehnen sich junge Leute? Nach Verbundenheit und nach der Möglichkeit zur Potenzialentfaltung. Was brauchen junge Leute? Zuversicht und Kreativität, Mut und Eigensinn, Selbstverantwortung und Gemeinsinn. Das meiste davon wird jungen Menschen in Bildungseinrichtungen verwehrt. Damit soll nicht gesagt werden, dass sich das Schul- und Bildungssystem in einer Krise befindet. Es steckt vielmehr fest in einem Dilemma, und das bedeutet, dass nicht einfach weitergemacht werden kann wie bisher. Auch ein Zurück auf den gegangenen Weg geht nicht.

Aus einem Dilemma muss man heraus, und das gelingt am besten mittels Transformation. Damit diese erfolgreich ist, braucht es ein langes Gedächtnis. Woran muss sich derjenige erinnern, der das Schul- und Bildungssystem neu denken und machen will? An das Universum, an die Natur, den Menschen und an das Haus.

Das lateinische Universum, das griechische Kosmos und das mittelhochdeutsche All sind Bezeichnungen für eine schöne Ordnung. Erinnert muss daran werden, dass unsere Ahnen sich in dieser Welt zu Hause fühlten. Sie sahen sich – so der Philosoph Christoph Quarch – als Masche in dem einen großen Netz des Lebens. Sie wussten sich als Akkorde in einer großen Symphonie des Alls. Und sie erkannten den Sinn ihres Lebens darin, in diesem großen Spiel des Ganzen mitzuspielen. Es wäre schön, wenn dieses Wissen wieder Schule macht.

Die Natur hat eine Qualität, die sowohl eine funktionale wie auch eine poetische Beziehung ermöglicht. Und sie hat eine wunderbare Methode: Potenzialentfaltung. Bildungseinrichtungen gehören zur zweiten Natur der Menschen. Bei ihrer Errichtung und Einrichtung empfiehlt es sich, eine Orientierung an der Qualität und an der Methode der ersten Natur zu wählen.

Bedacht werden muss auch der Mensch selbst, mit seinen Wünschen, Bedürfnissen und Sehnsüchten. Welche das sind, wurde eingangs schon erwähnt. Menschen sind zweifaltige Wesen. Sie möchten gerne einzigartig sein und sehnen sich deshalb nach Freiheit und nach Freiraum. Zugleich haben sie den Wunsch nach Zugehörigkeit und Nähe, sie suchen nach Verbundenheit und Liebe. All dies muss bedacht werden, wenn Häuser der Bildung geplant, gebaut und eingerichtet werden.

Zuletzt das Haus: Ursprünglich war es ein geschrumpfter Kosmos, eine schöne, geordnete und tugendhafte Welt. Damals bezeichnete der Begriff „Ethik“ das Haus sowie ein Regelwerk für das In-Ordnung-Halten des Hauses. Die Liebe für die Weisheit scheint in vielen Bereichen des Schul- und Bildungssystems vernachlässigt zu werden. Höchste Zeit, die Häuser der Bildung wieder in Ordnung zu bringen.

Tote Räume schwächen Lehrer und Schüler

Im Nachfolgenden soll der Blick auf die Räume in den Bildungseinrichtungen gerichtet werden. Neben Lehrkräften und Mitschülern ist der Raum, in dem gelernt wird, der dritte Pädagoge. Dieser ist in erstaunlich vielen Fällen verwahrlost. Die meisten Bildungsräume in Schulen und Universitäten gleichen Wüsten und Todräumen, die Lehrkräfte und ihre Schutzbefohlenen schwächen, entkräften, auslaugen. Diese Räume sind keine Umgebung, die dazu beiträgt, neue Erfahrungen zu machen, sich zu motivieren und zu lernen. Sie sind weit davon entfernt, Energie zu stiften und zu begeistern.

Vielleicht ist das sogar Absicht, vielleicht werden junge Menschen so auf das Berufsleben vorbereitet. Die Chance ist groß, dass sie irgendwann in einem Büro landen. Denn in der fortgeschrittenen, modernen Welt ist die Büroarbeit zur eigentlichen gesellschaftlichen Tätigkeit geworden. Das Büro ist das „Mastertool“ des Wirtschaftens, und leider ist dieses „Werkzeug“ überwiegend ungepflegt. Die meisten Büros sind von der wirtschaftlichen Rationalität dominiert. In solchermaßen geprägten Räumen werden Menschen neurotisch, weil die kulturelle Umgebung nicht antwortet.

Für Büros und Bildungsräume gilt gleichermaßen: In seelenlosen Räumen kann weder Lernen noch gewollte Zusammenarbeit gelingen. Deswegen müssen diese Räume transformiert und zu Gewächshäusern der Kreativität gemacht werden. „Gestalte die Umgebung um und versuche nicht, den Menschen umzugestalten“, proklamierte der große US-amerikanische Architekt, Visionär und Philosoph Richard Buckminster Fuller (1895–1983) immer wieder.

Gerald Hüther, einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands, sagt, dass es fatal ist, in Schulen fast ausschließlich auf Wissensvermittlung und Leistung zu setzen. „Das bringt zwar Einserschüler und Einserstudenten hervor, die dann im Berufsleben aber versagen. Auf der Strecke bleiben viele ungenutzte und frustrierte Talente, und diesen Irrweg beschreiten wir schon viel zu lange.“ Und: „Die Menschen wachsen in ihre Lebenswelt, die auch eine Raumwelt ist, hinein. Bei einer Lebenswelt handelt es sich um eine nach den Maßstäben vorangegangener Generationen gestaltete Welt. Das ist aber nicht zwangsläufig eine zeitgemäße, humane oder schöne Welt und deswegen auch nicht zwangsläufig eine Welt, in der optimale Bedingungen für die Entwicklung des Menschen und seines Gehirns herrschen.“ Es braucht andere Formen des Unterrichts und diese bedürfen flexibler Räume, nicht zuletzt auch, weil die Post-Digitalisierung längst die Klassenräume erreicht hat.

Jan Teunen

 

Der Autor
Professor Jan Teunen, Geisenheim, unterstützt als sogenannter Cultural Capital Producer seine Kunden darin, ihr kulturelles Kapital und ihre Wirtschaftskraft zu mehren; er ist Fellow und Mentor der Akademie für Potenzialentfaltung und Ehrenmitglied des Genisis Institute for Social Innovation and Impact Strategies in Berlin

 

Erschienen 12.09.2019:

https://www.treffpunkt-kommune.de/der-dritte-paedagoge-heisst-raum/

© pVS – pro Verlag und Service GmbH & Co. KG

Fotonachweis: © Hufton+Crow

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