Skip to main content
  • KONTAKTIEREN SIE UNS

    Wir sind gerne persönlich für Sie da

    +49 (0) 81 51 / 27 19 0

    Mo. - Do. 8:30 - 17:00 Uhr
    Fr. 8:30 - 15:30 Uhr

    Elisabeth Di Muro
    Elisabeth Di Muro, Kundenservice
  • Newsletter

    Newsletter-Anmeldung

Spannende Themen und aktuelles für Sie aufbereitet

„Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu stärken, muss in Zukunft einer der vordringlichen Aufträge der Schule werden.“

Dr. Otto Seydel ist Leiter des Instituts für Schulentwicklung. Im Interview spricht er über neue Raum- und Lernkonzepte in Zeiten der Digitalisierung.

 

Warum brauchen wir andere Gebäude für das Lernen von Kindern und Jugendlichen?

Otto Seydel: Die Schulen des vergangenen Jahrhunderts wurden gebaut für einen Unterricht des vergangenen Jahrhunderts. Der bestand vorrangig aus frontaler Belehrung und Abfragen. Das hat sich grundlegend geändert. Frontale Belehrung gibt es zwar auch weiterhin. Aber sie wird ergänzt durch eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden. Für diese ist das alte Flurschulkonzept mit engen Klassenräumen nicht tauglich. Und: die Schulen waren „Halbtagsschulen“. Heute muss eine Schule mehr sein als Lernort. Sie muss auch als Lebensort gebaut werden.

 

Stichwort Lernen 4.0: Brauchen wir in Zeiten der Digitalisierung überhaupt noch Schulbauten?

Otto Seydel: Ja. Aber in spätestens zwanzig Jahren wird sich mit der „digitalen Revolution“ die Schule sehr verändern. Die Individualisierung des Unterrichts wird mit dem computergestützten Lernen ganz neue Qualitäten bekommen. Darum muss als Gegengewicht in der Schule gerade das soziale Lernen bestärkt werden. Die technischen „Prothesen“ der Menschheit werden um ein Vielfaches perfekter sein. Darum muss die persönliche Erfahrung von Selbstwirksamkeit in einem elementaren Sinn, musische und handwerkliche Praxis, an Bedeutung gewinnen.

   Selbstwirksamkeitserfahrung zu stärken, muss in Zukunft einer der vordringlichen Aufträge der Schule werden. Die digitale Revolution führt zu einer ungeheuren Beschleunigung. Darum muss Schule systematisch verlangsamen: den eigenen Sinneseindrücken Zeit geben, den zweiten und dritten Blick zulassen, den inneren Impuls abwarten. Wenn wir heute Schulen bauen, müssen wir wissen, dass sich in der absehbaren Nutzungszeit dieses Gebäudes die pädagogischen Anforderungen rasant ändern werden. Aber zu Ihrer Frage: Schulgebäude werden weiterhin gebraucht werden.

 

Wie können Räume die Balance zwischen individuellem und gemeinsamen Lernen unterstützen?

Otto Seydel: Die Frage nach dieser Balance ist ein Schlüsselthema für den zukünftigen Schulbau. Der Raum muss so beschaffen sein, damit beide Arbeitsformen „gleichzeitig“ (und nicht mehr wie früher „nacheinander“) ablaufen können. Dafür kristallisieren sich gegenwärtig radikal unterschiedliche Antworten heraus. Wir haben gerade in Baden-Württemberg zu dieser Frage eine intensive Feldstudie durchgeführt. Dort sind wir auf überraschende neue Lösungen gestoßen. Die Ergebnisse der Studie werden gerade ausgewertet und im Dezember bei der Veranstaltung in München vorgestellt.

 

Welche Schule hat dies laut Studie optimal umgesetzt?

Otto Seydel: Die innovativste Lösung haben wir in der Allemannenschule in Wutöschingen gefunden. Dort müssen Räume nicht mehr alles halb gut können. Sondern jeweils nur eines, aber das richtig gut. Also je getrennte und entsprechend ausgestattete Räume für Einzelarbeit, für Gruppenarbeit, für Instruktion, für Beratungsgespräch face to face. Das bedeutet zugleich: konsequenter Abschied vom konventionellen Klassenraumprinzip. Das sieht sehr ungewohnt aus. Aber wir müssen uns klar machen: Die Organisation von schulischem Lernen, an die wir uns gewöhnt haben sieht so aus: 30 Kinder sitzen sechs Schulstunden im gleichen Raum, und alle müssen dort zum gleichen Zeitpunkt das gleiche mit den gleichen Methoden anhand der gleichen Inhalte und dem gleichen Ziel lernen. Das ist zwar die gewohnte, aber angesichts der natürlichen, extremen Unterschiedlichkeit von Kindern und Jugendlichen nicht unbedingt die wirksamste Methode.

 

Sie beraten Bauherren und Schulen bei der Planung von Schulbauten. Welches sind dabei die größten Herausforderungen?

Otto Seydel: Herausforderung Nr. 1: Die absehbaren Veränderungen der pädagogischen Anforderungen „morgen“ vorwegzunehmen – und gleichzeitig eine Schule für „heute“ mit dem heutigen Kollegium zu planen. Herausforderung Nr. 2: Das pädagogisch Notwendige und das - aus Sicht eines Gemeinderats - finanziell Machbare auf einen Nenner zu bringen. Herausforderung Nr.3: Die berechtigte Ungeduld von Eltern und Lehrern angesichts des riesigen Bergs an dringendsten Schulbau-Aufgaben zu zähmen.

 

Treffen Sie Dr. Otto Seydel live auf der Veranstaltung „Bau und Betrieb von Bildungseinrichtungen“ am 4./5. Dezember 2018 in München!

Kommentar schreiben

0 Kommentare

KONTAKTIEREN SIE UNS

Wir sind gerne persönlich für Sie da

+49 (0) 81 51 / 27 19 0

Mo. - Do. 8:30 - 17:00 Uhr
Fr. 8:30 - 15:30 Uhr

Elisabeth Di Muro
Elisabeth Di Muro, Kundenservice