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Die Herausforderungen des Controllings bei Schalke 04

Interview mit Claudio Kasper, Leiter Konzerncontrolling des FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V., zu den Herausforder-

ungen des Controllings im Profi-Fußball, anlässlich des German CFOforums am 19. und 20. September 2013 in Starnberg

 

MFS: Womit verdient ein Profifußballclub sein Geld?

Claudio Kasper: Es gibt Einnahmen aus dem Spielbetrieb, Sponsoring, Verkauf von Fanartikeln, aus der TV-Vermarktung der Bundesliga und der internationalen Wettbewerbe sowie sonstige Erlöse. Hinzu kommen gegebenenfalls Erlöse aus Transfers, wenn ein anderer Club einen Spieler verpflichten möchte, der bei uns unter Vertrag steht.

 

MFS: Fußballclubs wachsen immer mehr zu Sportkonzernen. Warum?

Claudio Kasper: Aktuell besteht unser Konzern aus dem Verein und acht Tochterfirmen. Die Gründe für die Ausgliederung bestimmter Aufgabenbereiche sind vielfältig, etwa aus betriebswirtschaftlichen, steuerlichen oder haftungsrechtlichen Aspekten, und unterscheiden sich meines Erachtens nicht sonderlich von den Gründen bei anderen privatwirtschaftlichen Unternehmen.

 

MFS: Worin liegt die Besonderheit der Controllingaufgabe im Profifußball?

Claudio Kasper: Die Schwierigkeit im Controlling eines Fußballclubs liegt in der Ungewissheit des sportlichen Erfolgs! Überspitzt formuliert kann ich Ihnen jedes beliebige sportliche Szenario, Abschneiden in der Bundesliga, im DFB-Pokal und den internationalen Wettbewerben mit einer hohen Genauigkeit vor der Saison berechnen. Die Krux besteht darin, welches der mindestens 18 Szenarien - potenziert mit den Pokalwettbewerben ergeben sich eine Vielzahl weiterer denkbarer Szenarien – tatsächlich eintritt. Positionen wie Merchandising sowie die Einnahmen aus dem Verkauf der Bundesligatickets lassen sich, gerade vor dem Hintergrund einer nahezu immer ausverkauften Veltins-Arena, vergleichsweise einfach planen. Einnahmen aus Transfers oder das Abschneiden in nationalen und internationalen Wettbewerben sind demgegenüber nur schwer prognostizierbar. Wir versuchen dieser Unsicherheit Herr zu werden, indem wir unser operatives Controlling auf eine hohe Szenariofähigkeit hin ausrichten. Hinsichtlich der Saisonplanung arbeiten wir mit einem konservativ-realistischen Grundszenario, welches wir detailliert planen. Zusätzlich berechnen wir verschiedene Alternativszenarien. Konkretisiert sich ein alternatives sportliches Szenario können wir so unsere Forecasts relativ schnell anpassen.

 

MFS: Können Sie ein Beispiel nennen?

Claudio Kasper: Sicher. Vor einigen Tagen haben wir im DFB-Pokal gegen den FC Nöttingen gewonnen. Das hatten wir so eingeplant – unser Planungsszenario hat also Bestand. Hätten wir verloren, wären beispielsweise sofort unsere Plangrößen „Einnahmen aus medialer Verwertung“ und „Spielbetrieb“ angepasst worden.

 

MFS: Die Herausforderung im Controlling eines Profi-Vereins besteht also darin, den sportlichen Erfolg zu planen?

Claudio Kasper: Ja, im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen Unternehmen geht es im Fußball nicht darum eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Ziel ist der maximale sportliche Erfolg unter der Nebenbedingung nicht mehr auszugeben als man einnimmt. Dabei ist es wichtig, nicht zu konservativ zu kalkulieren. Halten wir die Ausgaben beim Personalaufwand gering, wird sportlicher Erfolg weniger wahrscheinlich. Andererseits dürfen, wir nicht mit zuviel finanziellem Risiko in die Saison gehen, so dass wir unter Zugzwang geraten falls das sportliche Ziel verfehlt wird. Wir müssen also die Personalkosten so planen, dass ein realistisches sportliches Ziel erreichbar scheint.

 

MFS: Was sind die Erfolgsfaktoren für profitables Wachstum im Fußball?

Claudio Kasper: Basis des Erfolgs von Schalke 04 sind unsere Fans, Zuschauer und Unterstützer in der ganzen Welt. Weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist natürlich die Profimannschaft, die wir auf den Rasen schicken. Hier gilt es, die Balance zu finden zwischen erfolgreichem Fußball und den finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Daneben ist eine gute Infrastruktur: Stadion, Trainingsplätze, Fanshops aber auch Management-, Trainerteam und die Mitarbeiter des Vereins ein wichtiger Erfolgsfaktor. Die „Marke“ Schalke 04 transportiert alles wofür der Verein steht, diese gilt es zu schützen und zu entwickeln.

 

MFS: Die wichtigste Infrastrukturkomponente ist das Stadion – inwieweit ist es ein Erfolgsfaktor?

Claudio Kasper: Unsere Veltins-Arena ist mit ihren 12 Jahren immer noch eine der modernsten Multifunktionsarenen in Europa. Sie ermöglicht uns, neben der Durchführung der Fußballspiele, auch Einnahmen aus anderen Großveranstaltungen zu erzielen, wie etwa ‚Rock im Pott‘ oder das alljährlich stattfindende Biathlon. Sie sorgt dafür, dass Schalke heute zu den Top-Clubs in Europa gehört.

 

MFS: Was unterscheidet das Controlling in einem normalen Unternehmen vom Controlling in einem Profi-Fußballverein?

Claudio Kasper: Der Fußball ist schon sehr speziell, weil jedes Spiel – dessen Ausgang einfach bis zum Schlusspfiff offen ist – sofort deutliche Auswirkungen auf die Ertragslage haben kann. In anderen Branchen, gibt es das in dieser Form und Konsequenz vermutlich nicht. Eine große Herausforderung stellt die Liquiditätsplanung im Verein dar, da bei vielen Geschäftsvorfällen die Einzahlung und die ertragsmäßige Erfassung in den Rechenwerken des Konzerns stark auseinanderfallen, beispielsweise bei den Dauerkarten, die am Anfang der Saison verkauft und über die Saison als Ertrag erfasst werden. Der Profi-Fußball hat mich gelehrt, wie man Risikokomponenten in ein Szenario integriert und trotzdem zu einer tragfähigen Liquiditätsplanung kommt – und dieser Aspekt ist für alle Wirtschaftsunternehmen relevant.

 

MFS: Sie haben das Controlling-Handwerk als Offizier bei der Bundeswehr gelernt – was ist der größte Unterschied zum Controlling in einem Profi-Verein?

Claudio Kasper: Der Unterschied ist enorm.Bei der Bundeswehr ging es um ein fähigkeitsorientiertes hauptsächlich nicht-monetäres Controlling. Verschiedene Stellen im Ministerium benötigten Angaben zu diversen Kennziffern. Die Frage war: Können wir eine für den Einsatz notwendige Fähigkeit rechtzeitig bereitstellen oder nicht? Das Controlling im Fußballverein ist demgegenüber stark monetär ausgerichtet mit der Krux, den sportlichen Erfolg in die Finanzplanung zu bekommen. Das ist sehr spannend.

 

MFS: Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Claudio Kasper: Die Einzahlungen aus Dauerkarten, aber auch aus einem großen Teil der Sponsoringverträge erfolgen zu Beginn einer Saison. Ertragsmäßig werden diese in der G+V aber erst im Laufe der Saison erfasst. Die Herausforderung für die Clubs am Anfang der Saison besteht also darin, wenn die Kasse voll ist, nicht zu sehr ins Risiko zu gehen – beispielsweise durch Transfers – so dass die Aufwendungen, die während der Saison auf uns zukommen, handelbar bleiben.

 

MFS: Was ist das Schöne am Job eines Controllers bei einem Profi-Fußballverein?

Claudio Kasper: Es ist einfach toll, alle 14 Tage ins Stadion zu gehen und sein berufliches Engagement in ein emotionales Ereignis zu stecken, das so viele Menschen bewegt.

 

MFS: Vielen Dank, Herr Kasper. Wir freuen uns auf Ihren Vortrag beim German CFOforum am 19. und 20. September 2013 im Hotel Vier Jahreszeiten in Starnberg.

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