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Tristesse in Serie oder Haute Couture vom Band? – Gebäude in modularer Bauweise

„Die großen der Bauwirtschaft nutzen den aktuellen politischen Willen, modular-serielles Bauen im Wohnungsbau einzusetzen, als Hebel für die Industrialisierung und Verlagerung von Bauprozessen in ihre Werkhallen - und manche fühlen sich dabei von den Architekten eher gestört“, so Axel Koschany, Geschäftsführender Gesellschafter von Koschany + Zimmer Architekten GmbH. Sein Plädoyer an seine Kollegen: „Einmischen, mitmachen, sich nicht zurückziehen. Damit die Idee des Modulbaus im Wohnungsbau trägt, braucht es städtebaulich und architektonisch anspruchsvolle Beispiele“. Im Interview spricht er über die Möglichkeiten und Herausforderungen, die der Modulbau bietet.

 

Herr Koschany, worin liegen die Unterschiede und Vorzüge des Modulbaus im Vergleich zum Elementbau?

Axel Koschany: Im Elementbau werden die Komponenten Boden, Wand und Decke im Werk produziert und auf der Baustelle zum Raum zusammengefügt. Dort findet dann auch der wesentliche Ausbau statt. Beim Modulbau wird der Raum bereits mit bis zu 70 % des Ausbaus in der Halle gefertigt und in einem Stück auf die Baustelle gebracht. Die Verlagerung in die im Gegensatz zur Baustelle witterungsunabhängige, optimal ausgeleuchtete und beheizte Produktionshalle erlaubt hohe Ausbauqualitäten bereits im Werk und damit kürzere Bauzeiten vor Ort.

Warum bauen immer noch relativ wenige in Modulbauweise? Wo liegen die Widerstände?

Axel Koschany: Die Kritiker verbinden mit der modular-seriellen Bauweise zum einen die Angst vor dem landesweit zigfach abgesetzten Standardhaus – vor einer Tristesse in Serie. Und es sind die Bilder der aus Fertigteilen errichteten Großsiedlungen des letzten Jahrhunderts. Das aus diesen Bildern entstandene Vorurteil der „Platte 2.0“ wird den Möglichkeiten des modularen Bauens aber in keiner Weise gerecht, da Maßstäblichkeit und Individualität der Projekte heute eine völlig andere sind. Enttäuscht sind auch diejenigen, die den falschen Aussagen gewaltiger Kosteneinsparungen folgen, um dann festzustellen, dass modulares Bauen auf den ersten Blick mindestens die gleichen Kosten hervorruft wie konventionelles. Es sind andere Faktoren, die modular-serielles Bauen günstiger machen. Dazu zählen u.a. die Bauzeit, Qualitäten und Skaleneffekte aus Wiederholungen.

Stichwort „Tristesse in Serie und Haute Couture vom Band“…

Axel Koschany: Das sind die beiden Pole, zwischen denen die Diskussion zwischen Kritikern und Befürwortern des Modulbaus stattfindet. Axel Gedaschko vom GdW hat gesagt: Auch ein Lagerfeld macht nicht nur hochpreisig-maßgeschneiderte Haute Couture, seine Kollektionen können Normalverdiener inzwischen auch bei P&C von der Stange kaufen. Mir gefällt das Bild. Und um eine bereichernde modulare Kollektion zu realisieren, ist eine enge Zusammenarbeit von Bauherren, Herstellern und Architekten unabdingbar.

Verhält sich die private Hand anders als die kommunale?

Axel Koschany: Eindeutig gibt es Unterschiede. Wir arbeiten seit über drei Jahren mit VONOVIA zusammen. Das Unternehmen kann in der Vergabe von Leistungen frei agieren, die jeweiligen Modulhersteller werden von Anfang an in die Projekte eingebunden, so dass die Konzepte kontinuierlich miteinander abstimmt werden können. Bei der öffentlichen Hand sind solche frühen Bindungen und Kooperationen an Hersteller selten möglich, dort läuft es nahezu immer auf Ausschreibungen hinaus – und das macht es in der Planungs- und Vorbereitungsphase mitunter deutlich komplizierter und langwieriger.

Was schlagen Sie hier vor?

Axel Koschany: Ein gutes Beispiel ist der 2018 entschiedene GDW-Wettbewerb. Am Ende gewannen 9 Bietergemeinschaften aus Herstellern und Architekten mit ihren innovativen Wohnungsbaukonzepten und erhielten einen Rahmenvertrag, auf den die Mitgliedsunternehmen des GdW zugreifen können. Der ausgearbeitete Rahmenvertrag beinhaltet eine Preisbindung für 5 Jahre und wurde juristisch mit Blick auf das Vergaberecht intensiv geprüft. Die Wohnungsunternehmen müssen nicht mehr europaweit ausschreiben und können sich aus der entwickelten Matrix der jeweiligen Preisträger das für ihre Aufgabe passende Gebäude entwickeln und konfigurieren lassen. Das ergibt Planungs-, Rechts- und vor allem Kostensicherheit.

Unterscheiden sich eigentlich die Module der verschiedenen Stahlrahmen-, Beton- und Holzmodulbauer?

Axel Koschany: Wir haben Erfahrungen mit allen drei Konstruktionsarten. Die Materialien haben je nach Standort und Projekt unterschiedliche Vor- und Nachteile. Unser Ziel, „Individualität in Serie“ zu entwickeln, konnten wir bisher am besten mit Holz- und vor allem Stahlrahmenmodulen umsetzen, da diese sehr flexibel im Zuschnitt sind. Betonmodule sind auf Grund der Vorgaben aus der Produktion in ihrer maßlichen Varianz sehr eingeschränkt. Dafür gibt es bei ihnen keinen doppelten Boden, was mit Blick auf Gebäudehöhen und Abstandsflächen bei gleicher Raumhöhe ein entscheidender Vorteil sein kann. Auch der Brandschutz spielt bei der Wahl der Konstruktion eine wichtige Rolle, da ergeben sich beim Holzbau andere Herausforderungen als bei Stahl und Beton. Sie sehen, es gibt keinen eindeutigen „Sieger“.

Wenn Sie in die gläserne Kugel schauen - in welchen Baubereichen sehen Sie in den nächsten fünf Jahren die größten Baupotenziale für den Modulbau?

Wir sind sehr gespannt, wie es sich entwickeln wird. Im Wohnungsbau war VONOVIA in den letzten Jahren mit einigen Projekten Vorreiter, andere Wohnungsbaugesellschaften sind auch nach dem GdW-Wettbewerb noch sehr zurückhaltend. Es gibt angesichts der Vorbehalte und fehlender Erfahrungen noch immer viel Gesprächsbedarf. Aber erste Projekte beginnen, und es sind private Bauherren, die uns jetzt verstärkt ansprechen.

Ich nehme an, im Schulbau wird modulares Bauen zunehmen, auch Bürogebäude werden weiter dazukommen, aber wer in 5 Jahren die Nase vorn haben wird, ist schwer zu sagen. Bei den aktuellen Baupreisen kann der Modulbau momentan gut mithalten, aber wer weiß, ob das so bleibt? Meine Glaskugel ist also noch etwas vernebelt, Ende des Jahres wird das Bild klarer sein.

Erleben Sie Axel Koschany live auf der 4. Jahrestagung Modulbau 2019 am 25./26. März 2019 in Frankfurt/M.

© Foto: Koschany + Zimmer Architekten KZA

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