Burnout ist auch die Chance zum Neuanfang

Jör-Peter Schröder neu

Dr. Jörg-Peter Schröder ist Arzt, Führungs-Coach und Burnout-Experte. Seit 7 Jahren leitet er das Seminar Brennen, ohne auszubrennen. „Der beste Moment im Seminar ist, wenn die Teilnehmer fühlen und erkennen, dass sie neu und anders entscheiden können.“

Gespräch mit einem sehr erfahrenen Burnout-Experten, der Geschäftsführern, Vorständen und Managern ein enorm hilfreicher Sparringspartner ist.

 

Management Forum Starnberg: Burnout, ein Tabu-Thema. Wer kommt in Ihr Seminar?

Dr. Jörg-Peter Schröder: So sehr tabu ist das Thema ja nicht mehr. Meist kommen Menschen, die unter Druck stehen und in Unternehmenskulturen arbeiten, in denen Wert auf gesunde Führung gelegt wird. Seltener sind es Macher, die ihren Seminarbesuch gegen Vorurteile  verteidigen müssen. Wenn sie kommen, profitieren sie aber sehr.

 

MFS: Rund zehn Teilnehmer mit unterschiedlichen Charakteren und unterschiedlichen Herausforderungen. Wie bekommen Sie die unter einen Hut?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Das brauche ich gar nicht. Die Teilnehmer bringen ihre individuellen, recht unterschiedlichen  Situationen mit ins Seminar. Neben den Inhalten bietet der Austausch in der Gruppe die Möglichkeit zum Perspektivenwechsel.

 

MFS: Die Teilnehmer profitieren von einander?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Alle eint das Thema, mit Stress und Burnout bei sich und anderen besser und anders umgehen zu können. Dies beginnt mit der Selbst-Reflexion. Die Erfahrungen der anderen erweitern die Perspektiven.

 

MFS: Wie funktioniert die Reflexion?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Der erste Schritt ist die Bewusstseinsschärfung. Wahrzunehmen, was jetzt gerade ist. Wir arbeiten daran, dass jeder Teilnehmer seine eigenen Bedürfnisse im Berufsalltag und Stresssituationen erkennt und benennen kann. In dieser Phase des Seminars entsteht viel Vertrauen innerhalb der Gruppe – das ist ganz wesentlich für den Erfolg des Seminars.

 

MFS: Es geht also um Selbstwahrnehmung?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Wahrnehmungsschärfung ist ein Teil der Achtsamkeit. Im ersten Schritt bei sich selbst, im zweiten beim Gesprächspartner.

 

MFS: Wie geht das konkret?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Die Teilnehmer schildern beispielsweise eine Situation, die sie unter Druck setzt. Wir klären dann, wie sich der Druck genau anfühlt. Ich stelle Fragen zur Selbst- und zur Gesprächspartner-Wahrnehmung: Kalte Hände, müde, energiegeladen? Was sagen die Gesprächspartner genau? Wie sagen sie es? Welche Körperhaltung wird dabei eingenommen? Wie klingt die Stimme? Wer hält Augenkontakt? Hinter den Fakten stehen eigene Bedürfnisse und auch Befürchtungen. Wenn diese empathisch und wertschätzend formuliert werden, können auch Konfliktgespräche mit innerer Ruhe zum Erfolg geführt werden.

 

MFS: Was bewirkt die Bewusstseinsstärkung?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Es gibt einen Moment im Seminar, an dem es still wird. Meist dann, wenn ein Teilnehmer nicht mehr über ein Thema spricht, sondern von sich, was die Situation mit ihm macht. Ich nenne Ihnen ein Beispiel einer Aussage eines Geschäftsführers: „Es fiel mir sehr schwer, mir einzugestehen, dass ich meine eigenen Bedürfnisse über Jahre vernachlässigt hatte und nur noch im Hamsterrad funktionierte. Als dann ein Kollege einen Herzinfarkt erlitt, war für mich der Moment gekommen, die eigene Lebenssituation  zu hinterfragen und auch die Dinge zu benennen, die mir auf dem Herzen lagen.“ In so einer Situation entsteht eine echte Berührtheit, denn es ist nicht die Thematik, die Nähe schafft, sondern immer die Authentizität der Person. Ein Schlüsselmoment im Seminar.

 

MFS: Sie reflektieren den Umgang mit den individuellen Drucksituationen der Teilnehmer. Profitieren die anderen Teilnehmer davon?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Ja, sehr. Auf verschiedenen Ebenen. Sie erfahren, dass es Anderen genauso geht wie ihnen selbst. Das entlastet. Und sie erfahren, dass Andere anders mit diesen Situationen umgehen. Das weitet den eigenen Handlungsspielraum. Häufig hat ein anderer Seminarteilnehmer eine gute Erfahrung mit einer anderen Lösungsvariante gemacht. Das macht Mut, es ebenfalls auszuprobieren.

 

MFS: Burnout hat also etwas damit zu tun, dass ein Mensch die Entscheidung trifft, in gleichen Situationen immer gleich zu reagieren?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Burnout hat vor allem damit zu tun, wie man mit sich selbst umgeht. Den Betroffenen ist nicht wirklich bewusst, dass sie in jeder Situation 100% Entscheidungsfreiheit haben, wie sie auf eine Belastung reagieren könnten. Jede unserer Entscheidung hat einen Preis: Dies kann Geld, Beziehung oder Gesundheit sein. Im Seminar gilt es, neue und andere Perspektiven zu entwickeln. Das fängt mit der Bewertung der Situation an und endet nicht mit dem Ausprobieren neuer Verhaltensmuster.  

 

MFS: Jede Entscheidung hat ihren Preis. Sprechen sie darüber?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Sicher, es ist ein ganz wesentlicher Punkt. Die Teilnehmer erkennen im Seminar, dass der Preis ihrer bisherigen Entscheidungen auch ihre psychische und physische Gesundheit beeinflusst.

 

MFS: Wie nachhaltig wirkt das Seminar?

Dr. Jörg-Peter Schröder: Das hängt vom Individuum ab. Es ist sehr nachhaltig für jene, die Klarheit über sich selbst gewinnen und die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Sie kennen ihre Bedürfnisse besser und können sie reflektieren. Arbeite ich in Strukturen, die mir gut tun? Oder kann ich sie oder meinen Tagesablauf so verändern, dass sie kompatibel mit meinen Bedürfnissen sind? Weniger nachhaltig ist das Seminar für jene, die die Verantwortung nicht übernehmen wollen. Sie denken: Bei uns ist das aber anders, das kann ich nicht ändern. Für alle Teilnehmer gilt: Sie fühlen sich entlastet und gestärkt. Und sie konnten ihr Anliegen reflektieren, haben Techniken für den Stressabbau gelernt und sind sich der Bedeutung ihrer Gesundheit bewusster.

Seminartermin:

25./26. Oktober 2018 in München

www.management-forum.de/brennen